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Universität Marburg

Hessen bildet: Große Tagung zur Reformation gestartet

Marburgs Elisabethkirche - Ort mit großer historischer Bedeutung.

Marburgs Elisabethkirche - Ort mit großer historischer Bedeutung.

Was haben Bildung und Reformation miteinander zu tun? Das wird gerade bei einer internationalen Tagung in Marburg erforscht, an der auch die hessen-nassauische Kirche beteiligt ist.

Darmstadt / Kassel / Marburg, 27. September 2017. Welchen Einfluss hatte die Reformation auf die frühneuzeitliche Bildungsreform? Und wie steht es um das Verhältnis von Kirche und Bildung im 21. Jahrhundert? Diesen und anderen Fragen geht das wissenschaftliche Symposium „Reform der Kirche – Reform der Bildung. Die Universität Marburg und der reformatorische Bildungsauftrag“ nach. Namhafte Experten aus Deutschland und dem europäischen Ausland beleuchten noch bis zum 29. September die Rolle Hessens als reformatorische Bildungslandschaft, die Strukturen und die Konfessionalisierung der frühneuzeitlichen Universitäten und nicht zuletzt aktuelle Fragen wie die des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen heute. Das Symposium wird gemeinsam von der Philipps-Universität, der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau veranstaltet.

Internationales Symposium 

Prof. Dr. Katharina Krause, Präsidentin der Philipps-Universität Marburg, wies zu Beginn des Symposiums darauf hin, dass sich bereits zehn Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg Landgraf Philipp I. von Hessen dazu entschlossen habe, eine evangelische Universität zu gründen. Diese Universität habe sich bis heute über alle organisatorischen Veränderungen hinweg neben den Geistes- und Naturwissenschaften die Gründungsfakultäten der Evangelischen Theologie, der Rechtswissenschaften und der Medizin bewahrt. Krause betonte: „Es ist für die Philipps-Universität daher eine große Freude, nach der Ausstellung „Bildungsereignis Reformation“, mit dem wissenschaftlichen Programm eines internationalen Symposiums gemeinsam mit den beiden Landeskirchen daran zu erinnern, welche Reformen für das Bildungswesen insgesamt und für das Universitätsstudium von der Reformation ausgingen.“

Elementare Bildung

Prof. Dr. Wolf-Friedrich Schäufele, Dozent für Kirchengeschichte am Fachbereich Evangelische Theologie und Organisator des Symposiums, ging in seiner thematischen Einführung darauf ein, dass die führenden Köpfe der evangelischen Bewegung schon früh erkannt hätten, das Reformation und Bildung zusammengehörten. Mit Blick auf die besondere Rolle Hessens sagte Schäufele: „In kaum einem deutschen Territorium war das Zusammenspiel von Reformation und Bildung so deutlich zu beobachten wie in Hessen.“ Die Reformation der Kirche sei von Anfang an mit einer breit angelegten Bildungsreform einhergegangen, die eine elementare Schulbildung für Jungen und Mädchen an Latein- und Volksschulen vorsah.

Schule für alle

Prof. Dr. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, wies darauf hin, dass Martin Luther die evangelischen Fürsten in der Bildungsverantwortung für die Menschen in ihren Territorien sah. Luther entwerfe in seinen Schriften zum Thema „Bildung“ das Bild einer „Schule für alle“, die Grenzen von Ständen und Schichten übergreife. Mit Blick auf die heutige Bildungsdebatte betonte Hein: „Diesen Impuls gilt es aufzunehmen und in einen modernen Bildungsdiskurs einzubringen, um Tendenzen rein ökonomischer Verzweckung und Leistungsoptimierung entgegenzutreten.“

DNA des Protestantismus

Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, machte deutlich, dass „Bildung schon immer zur DNA des Protestantismus gehört“. Aber so klar die enge Verbindung von Reformation und Bildung auch sei, so groß seien die Herausforderungen, vor denen man im 21. Jahrhundert stehe, wenn es um religiöse Bildung gehe. So erfolge religiöse Bildung heute kaum noch selbstverständlich im Lebenszusammenhang, da religiöse Traditionen in der Familie kaum noch weitergegeben würden. Mit Blick auf den engeren Kontext des Symposiums stellte Jung die Frage nach dem rahmengebenden Bildungsethos an Schulen und Universitäten.

Verbindendes betonen 

Prof. Dr. Karlheinz Diez, Weihbischof des Bistums Fulda, betonte in seinem Grußwort das Verbindende der Konfessionen: „Das Hören auf das Wort Gottes, die Aufnahme der Heiligen Schrift in Kopf und Herz gleichermaßen, ist heute 500 Jahre nach der Reformation so verbindend zwischen den christlichen Kirchen, wie es einst trennend war.“

Staat und Kirche 

Dr. Rolf Bernhardt, Ministerialdirigent des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, ging auf die bis heute spürbaren Auswirkungen der Reformation ein: "Es ist faszinierend zu sehen, welche Entwicklungen zur Zeit der Reformation entstanden sind, die noch heute nachwirken, obwohl wir doch einer angeblich so schnelllebigen Zeit angehören. ‎Neben dem Verhältnis von Staat und Kirche ist das insbesondere der Beginn einer auf Berufsausbildung ausgerichteten Funktion der Hochschulen."

Symposium „Reform der Kirche – Reform der Bildung. Die Universität Marburg und der reformatorische Bildungsauftrag“ Programm unter
https://www.uni-marburg.de/fb05/aktuelles/events/reformationprogramm2017.pdf


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